The Babyshower Experience

Allgemein

Babyshower sind beliebt in Bhutan. Leute treffen sich, um das Leben eines Neugeborenen zu feiern. In der Schweiz war ich bisher nie an so einem Anlass. Eine Einladung würde ich nur von einem engen Freund erwarten. So eine Feier würde ich mir nüchtern und langweilig vorstellen.

In Bhutan ist es anders. Lose Bekannte laden einen ein. Gefeiert wird feucht fröhlich.

Eingeladen wurde ich von Studien-Kollegen

Zwei Mal pro Woche besuche ich eine CE-Klasse. CE-Klasse? Das sind Leute, die berufsbegleitend studieren; Am Tag arbeiten sie, am Abend studieren sie. Sie kommen jeden Abend von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr zum Unterricht.

Die meisten CE-Studenten sind älter als ich. Die meisten haben Ehepartner und Kinder.

Eingeladen hat mich ein Kollege, „Dawa“, den ich etwa drei Wochen lang kannte. Viel geredet oder speziell befreundet haben wir uns nicht. Er hat mich ein Paar Mal nach Feierabend heimgefahren.

Dabei war es nicht sein Kind, das auf die Welt kam, sondern das Kind seines Kollegen. Dieser ist nicht in meiner Klasse, sondern in der Parallel-Klasse. Getroffen habe ich den Vater des Neugeborenen vorher nie. Ich habe ihn an der Babyshower kennengelernt.

Jetzt stellt euch mal vor, der Klassenkamerad, den ihr kaum kennt, lädt euch zu jemanden ein, den ihr nicht kennt, um die Geburt seines Kindes zu feiern. Finde nur ich das sehr ungewöhnlich?

Essen, Trinken, Singen, Tanzen. So ist etwa der Ablauf.

Der Anlass findet an einem Samstag-Abend statt. Meine Klassen-Kameraden haben Unterricht bis am späten Nachmittag. Dawa holt mich um etwa halb Sieben ab. Zu viert in seinem Auto fahren wir zur Wohnung der Familie, die kürzlich Zuwachs bekommen hat.

Die Familie lebt in einer kleinen Wohnung. Es hat zwei Zimmer, ein Badzimmer, eine Küche. Der Schweizer (also ich) würde Tische und Stühle erwarten. So ist es jedoch nicht. Es sind etwa 20 Personen anwesend, alles CE-Studenten von verschiedenen Klassen. Je Zimmer sitzen zehn Personen im Kreis auf dem Boden. Bhutanesen haben eine beeindruckende Ausdauer: Für Stunden können sie ohne Beschwerden im Schneidersitz sein.

In der Mitte des Kreises gibt es Snacks, die ich fälschlicherweise für das Abendessen gehalten habe. Kekse, Gurken-Chilli-Salat und Reis mit Chilli. Die Leute trinken. Whisky, Bier oder bhutanesischer Pfirsich-Wein. Die Personen haben keine Teller. Vom Topf schöpfen wir uns das Essen in die eine Hand und essen es mit der anderen. (Nebenbemerkung: Händewachen mit Seife und warmem Wasser passiert sehr wenig pro Tag.)

Kurz darauf wird abgeräumt. Und: Es wird fortgesoffen. Bald wird ein viertes Getränk angeboten: Einen selbstgebrannten Schnaps, der mit Eiern gekocht wird. Mir schmeckt es nicht, ich bleibe beim Bier.

Wir fangen an zu singen und zu tanzen. Und zwar traditionelle bhutanesische Lieder und Tänze. Da ich an diesem Abend mein Handy nicht dabeihabe, gibt es keine Videos. Der Tanz sieht etwa so aus: Wir stehen alle im Kreis, laufen drei Schritte nach links, dann drei Schritte nach rechts. Dabei bewegen wir unsere Hände mit jedem Schrit nach oben und wieder nach unten.

In einem Zustand, den ich nicht als nüchtern beschreiben würde, gehen wir zum Neugeborenen. Wir schenken der Familie Geld und beten für das Kind.

Es ist halb Elf Uhr in der Nacht. Das Essen wird serviert. Reis mit verschiedenen Curries. Das Mal haben wir jedoch Teller und Löffel.

Nach dem Abendessen wird schnell Feierabend. Kaum haben wir fertig gegessen, verabschieden wir uns von den Gastgebern.


Ozzie Kuda

Ozzie Kuda

Lebt vom März 2017 bis Juli 2017 als Student in Bhutan. Möge das Glück mit dir sein.
http://www.hellobhutan.ch


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