Buddhismus: Die vier noblen Wahrheiten

Buddhismus

Nachdem Buddha zur Erleuchtung gelangt, beginnt er zu lehren. Eine Grundlage seiner Lehren sind die „vier noblen Wahrheiten“.

„Dukkha“ ist das Pali (oder Sanskrit) Wort für Leiden, Probleme, Schwierigkeiten (suffering). Pali war die Sprache, die Buddha vor 2500 Jahren sprach. Damals gab es keine Schrift für Pali. Die Überlieferungen waren mündlich.

„Samsara“ ist der ewige Zyklus vom Leben. Im Buddhismus glaubt man an die Wiedergeburt. Seelen sind gefangen in Samsara und in den Leiden des Lebens. Samsara ist geprägt von Dukkha.

Das Ziel von Buddhismus ist es, den Zyklus der Wiedergeburt zu beenden und einen Ausweg von den Leiden zu bieten.

Die Befreiung von Leiden und vom Zyklus ist als „Nirvana“ bekannt. Nirvana kann mit Erleuchtung übersetzt werden.

Die vier noblen Wahrheiten sind:

  • Die Welt ist voller Leiden
  • Die Ursachen von Leiden sind Ignoranz und Verlangen
  • Leiden kann beendet werden
  • Der Pfad zur Erleuchtung

Diese vier noblen Wahrheiten sind miteinander verbunden. Ein Vergleich mit moderner Medizin: Eine Krankheit wird diagnostiziert. Die Ursachen werden bestimmt. Eine Behandlung wird evaluiert. Die Behandlung wird vollzogen.

Die Welt ist voller Leiden

Welche Leiden sind mit Dukkha gemeint? Die drei grossen Leiden bekannt als „the three poisons“ in der englischen Sprache sind: Ignoranz, Bindung oder Festklammern (attachment) und Hass. Das ist natürlich nicht eine abschliessende Auflistung. Die Leiden, die der Buddha sah, als er seinen Palast verlassen hatte, gehören auch dazu. Alter, Tod, Krankheit. Und weitere Emotionen zählen dazu: Eifersucht, Frust, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Liebeskummer, Sorgen, Angst, Zweifel und so weiter.

Im Buch „The tibetian book of living and dying“ bezeichnet Sogyal Rinpoche, der Autor, treffend:

„Die moderne Welt lehrt uns, perfekt alle Leiden zu beherrschen. Auf Situationen können wir mühelos mit Negativität reagieren. Im Buddhismus geht es darum, sich diesen negativen Reaktionen bewusst zu werden. Danach trainiert man, nicht mehr mit Leiden zu reagieren, sondern mit Positivität, zum Beispiel mit Mitgefühl.“

Die Ursachen von Leiden sind Ignoranz und Verlangen

Der Begriff „Samudaya“ bezeichnet das Aufkommen von Dukkha. „Tanha“ bezeichnet Verlangen, Gier oder Begierde. Im Englischen wird desire verwendet.

Im Englischen wird der Begriff „Desire“ genannt. Leiden wird von Begierde verursacht. Ignoranz hindert einem an dieser Erkenntnis. Mit Ignoranz meine ich Unwissen oder das Ablehnen von der Wahrheit.

Es ist wie mit dem Rauchen (oder Snusen). Der Raucher weiss, dass es schlecht für die Gesundheit ist. Gibt es wirklich einen Nutzen vom Rauchen? Ich denke nicht wirklich. Trotzdem raucht man unbetrübt weiter. Ich verwende Kautabak, bin also genauso ignorant.

Verlangen wird in drei Hauptbereiche aufgeteilt.

Verlangen nach Genuss. Das Begehren nach Belohnung, die mit den Sinnen wahrgenommen werden können. Etwa ein gutes Essen, Musik, eine schöne Aussicht vom Balkon…

Verlangen nach Existenz. Jemand oder etwas sein zu wollen, neue Sachen erleben zu wollen…

Verlangen nach Ablehnung. Gibt es Sachen, die als unangenehm empfunden werden, versucht man diese, abzulehnen oder zu zerstören. Dabei kann man auch sich selbst zerstören. Ist man mit einer persönlichen Eigenschaft oder dem Aussehen nicht zufrieden, macht man sich selbst fertig…

Tanha bezeichnet Begierde nach negativen Sachen. Das Verlangen, zur Erleuchtung zu gelangen, ist positiv. Positive Verlangen werden in Pali oder Sanskrit als „Chanda“ bezeichnet.

Will der Raucher aufhören, kann dies als Chanda bezeichnet werden.

Leiden kann beendet werden

Wie kann Leiden beendet werden? Es ist simpel. Man weigert sich, zu leiden. Die Umsetzung ist jedoch nicht ganz so einfach.

Sich bewusst zu werden, dass man Verlangen hat, um dann auf diese zu verzichten. Das geht natürlich weiter. Man kann sich bewusst werden, dass alle Genüsse nicht wirklich zu anhaltendem Glück führen.

Ist man erleuchtet, hat man sich von den Leiden befreit. Die vierte Wahrheit beschreibt, dass es einen Weg zur Erleuchtung gibt.

Der Pfad zur Erleuchtung

Als Pfad zur Erleuchtung lehrte der Buddha den edlen achtfachen Pfad.

Rechte Ansichten, Erkenntnisse
Rechte Entschlossenheit, Absicht
Rechtes Sprechen
Rechtes Handeln
Rechtes Leben
Rechte Bemühung
Rechte Achtsamkeit
Rechte Meditation

Die rechte Ansicht ist, den Buddhismus zu akzeptieren und zu praktizieren. Das Engagement, die Ansichten zu erwerben, ist die rechte Absicht. Diese beiden Punkte werden als Weisheit (Panna) bezeichnet.

Die nächsten drei Punkte handeln von Moral (Sila). Rechtes Sprechen bedeutet, die Wahrheit zu sagen und mit dem Wort gutes zu stiften. Banales und negatives Geschwätz sollen vermieden werden. Rechtes Handeln meint, Respektvoll zu sein, einen liebevollen Umgang zu haben, nicht zu stehlen oder zu töten. Rechtes Leben meint, sein Leben so zu führen, dass es Glück im Umfeld fördert und nicht Leiden verursacht.

Die letzten drei Punkte werden als Meditation (Samadhi) zusammengefasst. Rechte Bemühung bedeutet, Kontrolle über Gedanken zu erlangen und positive Zustände anzustreben. Rechte Achtsamkeit bedeutet, bewusst zu leben, im hier und jetzt zu sein. Rechte Meditation ist schliesslich die Praxis von verschiedenen Meditationen. Das Ziel ist, einen tiefen glücklichen Zustand zu erreichen und diesen Zustand in das alltägliche Leben zu integrieren.

 

Zugegeben, wenn man sich nicht im Buddhismus auskennt, ist es am Anfang schwierig, die vier noblen Wahrheiten zu verstehen. Ich hoffe, ich konnte die elementare Lehre einigermassen verständlich erklären. Eine grosse Herausforderung, finde ich, ist es, passende Deutsche Wörter.


Ozzie Kuda

Ozzie Kuda

Lebt vom März 2017 bis Juli 2017 als Student in Bhutan. Möge das Glück mit dir sein.
http://www.hellobhutan.ch


Comments

  1. Hi Ozzie 🙂

    Sehr toller Artikel, informativ, verständlich und generell deine Artikel zu Bhutan sind klasse. Ich bin aus Zufall hier gelandet 😀 über Google Bilder aber ich bin begeistert.

    Danke dafür und ich hoffe du hattest eine tolle Zeit in Bhutan ^^
    Grüße aus Deutschland

    1. Lieber Simon

      Wow! Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ich habe mega Freude daran… Es tut mir leid, dass meine Antwort so lange auf sich warten gelassen hat… Mittlerweile bin ich wieder im rasanten westlichen Tempo drin… und habe mich auf Arbeit und Studium konzentriert.

      Die Zeit in Bhutan war grossartig. Denkst du, der Kulturschock war in Bhutan oder wieder in der Schweiz grösser? Genau, in der Schweiz. 🙂 Mit welchem Tempo wir hier leben… ist krass.

      Nochmals vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich grüsse dich herzlich,

      Ozzie.

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